Archiv des 2. Jahrgangs (2005/ 2006)

Erfahrungsberichte zum Musiktheater

von Sarp Güven

 

Kurz vor der Generalprobe zu „Schwarz auf Weiß“ treffen wir Heiner Goebbels am Schauspiel Frankfurt. Er gibt uns eine Einführung in das Musiktheater und in sein Stück „Schwarz auf Weiß“, welches zum ersten Mal 1995 aufgeführt worden ist. Laut Heiner Goebbels ist “Schwarz auf Weiß“ anders als das gängige Musiktheater. Um die Besonderheit des Stückes erfassen zu können, muss man das Ensemble Modern und die Arbeitsweise Heiner Goebbels mit dem Ensemble Modern kennen. „Schwarz auf Weiß“ ist in enger Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern entstanden. Heiner Goebbels geht soweit zu sagen, dass er keine einzige Note zu Papier gebracht hatte, bevor er die Musiker persönlich getroffen hatte.
       Goebbels will in seinem Stück die Motive, die ihm vorschweben, mit der Individualität der Künstler verbinden. Daher trifft er jeden Musiker während der Entstehung des Musiktheaters „Schwarz auf Weiß“ zu Einzelgesprächen. Er interessiert sich für die besonderen Interessen der Künstler. Eines der Themen des Stückes an sich ist auch das Ensemble und die einzelnen Künstler. Sie stehen sozusagen nicht nur als „Musiziermaschinen“ auf der Bühne – eine Musiziermaschine hat Goebbels nebenbei für das Stück extra entworfen – sondern auch ihre Bewegungen und Handlungen sind wichtig.
       Heiner Goebbels erzählt weiter vom Thema des Stückes. Dafür, dass das Stück nun über sechzigmal aufgeführt wurde, ist die Antwort recht vage. Goebbels will eigentlich kein definites Thema. „Es fehlen die Lücken für die eigene Phantasie, wenn das Stück alles sagt“, meint er. Dann betont er noch mal, ein Thema, sei eben das Ensemble selbst. Ihre Bewegungen. Ihr Tun auf der Bühne. Ein weiteres Thema, ist die Abwesenheit. Die Abwesenheit des Dramaturgen Heiner Müller, mit dem Heiner Goebbels viele Jahre eng zusammen gearbeitet hat und dessen Todesnachricht während der Proben zum Stück eintraf. Müller wird Teil des Stücks indem er stimmlich anwesend ist. In das Stück sind Tonaufnahmen  eingearbeitet, in denen Müller aus Edgar Allan Poes „Todesparabel“ liest.
       Goebbels stellt zur Entwicklung seiner Komposition die herkömmliche Reihenfolge der Elemente des Musiktheaters wie Licht, Ton, Requisite auf den Kopf. Er erzählt, dass Aufführungen meist in der Reihenfolge vorbereitet werden, dass erst der Komponist komponiert, dann die Musiker dies einstudieren. Erst  dann kommen Licht und Kostüme. Das geschieht bei Goebbels alles simultan. Selbst bei den Proben müssen  Kostüme, Mikrofonierung und Beleuchtung miteinbezogen werden. „Sonst stimmt der Gesamteindruck später bei der Aufführung nicht“.  Auch das eine Besonderheit bei Heiner Goebbels: Er lässt dem Betrachter viel Freiraum. Seine Figuren sollen den Zuschauer „nicht anbrüllen“ wie er selber sagt.
       Das Stück beginnt „offen“. Es gibt keinen Vorhang, der aufgeht und dem Publikum signalisiert: „Jetzt fängt das Stück an!“. Während die Zuschauer Platz nehmen, sind einige der Musiker bereits auf der Bühne. Es sieht so aus, als ob sie Proben oder etwas vorbereiten. Das Stück beginnt unmerklich. Die Künstler sitzen auf Bänken, die quadratisch angeordnet sind und manche haben sogar den Rücken zum Publikum gekehrt. Erst wenn das Publikum merkt, dass es der Anfang ist und allmählich die Gespräche einstellt, hat „Schwarz auf Weiß“ eigentlich angefangen.

Das Ensemble Modern

Im Anschluss an die Generalprobe von „Schwarz auf Weiss“ haben wir drei der Musiker direkt im Foyer vor dem Großen Saal des Schauspiel Frankfurt getroffen. Wir haben uns mit den dreien über die besondere Organisationsform des „Ensemble Modern“ und über die Frage, wie eine derartige Organisationsform zum heutigen Zeitgeist passt unterhalten.
Das Ensemble Modern wurde 1980 gegründet. Der Zeitgeist spielte eine wichtige Rolle und die Mitglieder des Ensembles waren geprägt vom sozialkritischen und progressiven Denken der 70-er Jahre. Sie wollten nicht in Orchestern arbeiten, da dort die Arbeitsformen sehr starr und unflexibel waren. Außerdem wollten sie eher unkonventionelle Stücke spielen. „Stücke von Komponisten, die noch am Leben sind“. So hat sich das Ensemble, welches auch in Größe und Besetzung ebenfalls von einem „klassischen“ Orchester abweicht, als eine GbR gegründet. Für alle die, die sich wie ich nur noch vage an ihre Wirtschaftsrechtvorlesung erinnern: Bei einer GbR haften alle Gesellschafter gleichermaßen für Verluste und Gewinne.
Das ist aber nicht die einzige Besonderheit. Ganz wichtig ist, dass keiner der 21 Musiker der „Chef oder die Chefin“ ist. Was musiziert wird, darüber wird abgestimmt. Auch die Verlierer dieser Wahlen verhalten sich im
Nachhinein nicht unsportlich, indem sie dann etwa Dissonanzen in Stücke einbauen, weil sie sie eigentlich gar nicht spielen wollten. Das Ensemble Modern ist ein basisdemokratisches Biotop. Und sie nehmen es sehr ernst, mit den Regeln der Demokratie.

Die Auftragslage war Anfangs wohl schon recht gut. Denn Ensemble, die sich auf derart neue musikalische wie organisatorische Wege einließen gab und gibt es nicht sehr viele. Die Musiker fühlten sich wohl. Reiner Römer, der vor seiner Arbeit beim Ensemble einen viel besser bezahlten Job als Dozent hatte, fasst es in klare Worte: „Wir taten, was uns erfüllte“.
Das Ensemble Modern wurde schnell erfolgreich. Dennoch spiegelte sich der künstlerische Erfolg nicht unbedingt im Finanziellen wieder. Zur Jahrtausendwende kam eine Zeit, da das Ensemble einen beachtlichen
Schuldenberg angehäuft hatte. „Mit Live-Musik ist wohl selbst im Pop-Geschäft kein Geld zu machen“ fasst Dietmar Wiesner die allgemeine Lage zusammen. Dennoch brach das Ensemble nicht auseinander. Da die Nachfrage groß ist und es immer Aufträge, wird seither dann eben an Kosten gespart. So wie Rainer Römer über diese Phase des Ensemble Modern berichtet, könnte man meinen man sei in einer ABWL „Strategische Unternehmensführung“ gelandet. Von „Pilotphase“ und „Restrukturierung“ und gar „Business-Plan“ ist die Rede. Komisch, wie sehr die Begriffe der strategischen BWL selbst gestandene Künstler prägen, denke ich mir.
Dennoch trotz aller Probleme geht es dem Ensemble Modern seither schnell wieder besser. Das liegt vermutlich auch an weiteren Besonderheiten der Organisationsform. So gibt es einen Manager als Hauptgeschäftsführer, der aber quasi „nur“ für Finanzen verantwortlich ist. Dass der Manager unter dem sich besagter Schuldenberg angehäuft hat dann gehen muss, ist klar. Der neue Manager war früher Produktgruppenmanager bei L`oreal. Er hat aber auch ein abgeschlossenes Musikstudium. Er wird aber auch unterstützt von drei gewählten Geschäftsführern aus den Reihen der Musiker. Insgesamt arbeiten 13 Leute in der Verwaltung des Ensembles Modern, das selbst aus 21 Musikern besteht. Demokratie braucht eben Personal.
Ich denke, ich würde mich wohl fühlen im Ensemble Modern. Einige der Musiker arbeiten bereits mehr als 25 Jahre miteinander. Das ist faszinierend für mich. Diese Kontinuität. Andererseits, es ist wohl so, dass einige Diskussionen endlos dauern beim EM. Dietmar Wiesner meint, die Diskussionskultur im EM sei für neue und etwas jüngere Mitglieder manchmal schwer zu ertragen. „Dass man ein Thema rundum wälzt, um dann dort anzukommen, wo man eigentlich gestartet war.“ Auch für mich ist das eher befremdlich.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Organisation: Jeder Musiker hat nur einen Jahresvertrag. Und alle Mitglieder des Ensembles entscheiden gemeinsam über den weiteren Verbleib eines Künstlers oder einer Künstlerin im Ensemble. In ihren basisdemokratischen Prinzipien ist die Truppe sehr konsequent.
Das Gespräch mit den drei war wirklich sehr angenehm. Vor allem, da sie sich ja zwischen Generalprobe und Aufführung extra die Zeit genommen haben, war ich Ihnen echt dankbar. Bei der Generalprobe hatte ich die einzelnen Musiker viel weniger als Person wahrgenommen. Bei der Aufführung habe ich dann schon genauer geschaut. Es war auch interessant zu sehen, wie sich Mimik und Gestik auf der Bühne verändern. Auch der Manager betonte dann später in einem seperaten Gespräch, dass es eine Besonderheit des EM sei, dass die einzelnen Musiker bekannt seien.

 Wenn einer von Ihnen bei einer Aufführung fehle, würde es sofort gefragt was mit ihm los sei. Bei einem konventionellen Orchester wäre die Frage „warum war dieses oder ein anderes Instrument anders besetzt?“ wohl lächerlich, da wohl viele Musiker als Free-Lancer und nicht dauerhaft in demselben Orchester arbeiteten.
Nebenbei vergibt auch das EM Stipendien und die drei Referenten haben anklingen lassen, dass ein Austausch mit den Bronnbachern auch auf diesem Weg möglich sei.


     

 

Antje Schiffers: Konzept- und Werkkünstlerin
Von Sarp Güven


Konzeptkunst

Am 3. Mai traffen wir die Konzeptkünstlerin Antje Schiffers in Mannheim. Der Begriff der Konzeptkunst ist dank Internetrecherche relativ einfach beantwortet. Konzeptkunst ist eine Kunstrichtung bei der nicht die eigentliche Ausführung des Kunstwerkes durch den Künstler im Vordergrund steht, sondern das Konzept und die Idee dahinter.
Antje Schiffers meint dazu, dass es vielen Menschen leichter fällt einen Maler als Künstler zu akzeptieren. Die meisten Menschen sind an „retinaler“ Kunst interessiert. Sie wollen ein physisch tangibles Kunstwerk, welches sie betrachten können. Das Vortraghalten über ihre Erfahrungen ist ein ihr wichtiger Teil ihrer Kunst.


Werkkünstlerin

Eine Besonderheit von Antje Schiffers ist der Begriff der Werkkünstlerin. Antje Schiffers hat eigentlich im Rahmen ihrer Konzeptkunst das Berufsbild der Werkkünstlerin wieder erschaffen. Sie hat sich bei der Continental AG in Hannover als Werkkünstlerin beworben. Es gab diese Stelle damals so nicht. Die Continental AG zeigte sich offen und Antje Schiffers trat ihren neuen Job an. Letztlich ist eine Werkkünstlerin eine Künstlerin, die den MitarbeiterInnen in einem Unternehmen hilft den eigenen Anspruch an Kunst in der Firma zu begreifen und umzusetzen. Dabei hat Antje Schiffers also die Wünsche der Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt. So wollten beispielsweise Mitarbeiter der Kantine ein Wandbild mit einer Landschaft, welches Antje Schiffers für sie gemalt hat.


„Unsere Frau in Minsk“, Antje Schiffers als Botschafterin der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig

Überhaupt spielt für Antje Schiffers der Impuls des Betrachters eine wichtige Rolle. Auch bei ihrem gemeinsamen Projekt mit der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig im Rahmen dessen sie als Botschafterin der Galerie durch Osteuropa gereist ist, steht der Impuls der Betrachter im Mittelpunkt. In den Ländern, die sie besucht hat, wohnte sie bei Einheimischen. Gegen Kost und Logis hat sie beispielsweise Porträts ihrer Gastgeber gemalt. Antje Schiffers war es dabei besonders wichtig, dass ihre Gastgeber sich überlegen mussten, was Ihnen Kunst wert ist und sie mussten die Motive der Kunstwerke in Auftrag geben.


Strategische Beratung durch Bilfinger und Berger

Antje Schiffers arbeitet häufig mit Unternehmen zusammen. So hat sie unter anderem auch Bilder für die Unternehmensberatung Bilfinger und Berger gemalt. Im Gegenzug dazu haben die Berater von Bilfinger und Berger eine „Unternehmensanalyse“ über Antje Schiffers erstellt. Das war der Deal. Nur so war es ihr möglich etwas über die Beratermethoden am eigenen Leib zu erfahren. Dabei wurden die verschiedenen künstlerischen Tätigkeiten als Teile eines Investitionsportfolios bewertet und strategische Ratschläge gegeben, wie sie „besser“ werden könne. Der Maßstab des Erfolgs waren hier finanzielle Indikatoren. Es stellte sich natürlich sofort die Frage, was den Erfolg einer Künstlerin ausmache. Die Antwort fiel sichtlich schwer und ist komplex. Letztlich wurde festgehalten, dass die Aufmerksamkeit aus Sicht der Künstlerin ein wichtiger Indikator des Erfolgs ist.


Siemens Arts Program und das Sammlungsbüro

Derzeit entwickelt Antje Schiffers ein Sammlungsbüro. Das Sammlungsbüro ist ein Projekt im Rahmen des Siemens Art Program in Berlin. Die selbstgestellte Aufgabe des Sammlungsbüro ist es eine Sammlung mit Kunstobjekten für Siemens zu gründen. Dabei soll der Impuls wieder von den Mitarbeitern ausgehen. Alle Mitarbeiter werden gleich behandelt. Das Foto einer Zeitarbeiterin ist genauso im Sammlungsbestand zu finde wie en Gemälde, das im Auftrag eines Vorstandes entstanden ist. Die Leitidee ist dabei das Repräsentieren. Die Frage, die uns, wie auch die Mitarbeiter bewegt: Was stellt uns dar? Was ist Repräsentanz? Was stellt ein Unternehmen dar?


 
Erfahrungsbericht zum Wochenende Architektur

von Regina Ruge

 


Viele Häuser, viele Interessengruppen und Transparentpapier

Architektur-Wochenende in Mannheim 28 - 30.04.2006

 

Auftakt, bei einer kühlen Abendbrise, am Hauptbahnhof Mannheims. Hier begann unsere „Architekturschau“ oder besser eine unorthodoxe Einführung von Jean Heemskerk, einem Architekten des Architekturbüros „motorplan“, in die „Kleine Kunde der urbanen Schlaglichter Mannheims“.

„Die Stadtbegehung ... war sehr einleuchtend für mich, weil ich früher noch nie so ernsthaft die Gebäude der Stadt Mannheim angeschaut habe. Obwohl ich schon 2 Jahre in Mannheim lebe.“

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, aber der Architekt versuchte auch gar nicht, uns die von ihm ausgewählten Beispiele, wie die Kunsthalle, das Stadthaus, den Musikpark, die Popakademie oder das Landgericht schmackhaft zu machen. Stattdessen brachte er uns näher, welche Rolle und welche Wirkung die ganze Vielfalt an architektonischen Merkmalen eines Gebäudes entfalten kann.

„Was ich gut fand, war, dass die eigene Aufmerksamkeit angeregt wurde Gebäude genauer anzuschauen, mir mehr Gedanken darüber zu machen.“

Er machte uns auf die beabsichtigten u. unbeabsichtigten, einladenden und abstoßenden Wirkungen aufmerksam. Weitab vom subjektiven Geschmacksempfinden, ging es ihm darum, dass wir ein Gefühl dafür bekommen: Was kann ein Gebäude sein? Welche Funktion soll es erfüllen und unterstützt die äußere Form diese? Spiegelt ein Gebäude seinen Inhalt wider? Wie fügt sich ein Gebäude in seine Umgebung? Ist es notwendig und für den Menschen angenehm, an jeder Ecke schrille, aufsehenerregende Häuser von Star-Architekten ansehen zu müssen? Kann ein Gebäude ohne Rücksicht auf seinen Ort entstehen? Und so weiter, und so fort.
Kurzum eine spannende, Vor-Ort-Einführung in die Vielfältigkeit der Architektur.


Am Samstag Vormittag stellte uns Prof. Dr. Ralph Bruder ein tatsächlich aufsehenerregendes Beispiel für Architektur und ein interessantes Konzept der Zollverein School vor – Gestaltung und Unternehmensführung als verwandte Disziplinen, die in einem MBA-Studiengang belegt werden können. Mit Gestaltung ist hierbei Design gemeint, das als gestalterische Kraft verschiedene Bereiche der Unternehmensführung beeinflusst und einen entscheidenden Beitrag zum unternehmerischen Erfolg liefern kann.

„Dieser Studiengang hat von einem anderen Blickwinkel aus uns noch einmal bestätigt, womit wir uns ein ganzes Jahr lang beschäftigt haben. Nämlich, dass Kunst und Wirtschaft wie zwei große Bäume sind, die unsere Gesellschaft gemeinsam stützen. Sie sind zwar ganz unterschiedlich gewachsen, kommen aber irgendwann zusammen. Wir sehen schon dass viele ihrer Zweige und Blätter sich gegenseitig überlappen. Und sie müssen auch zusammenkommen. Es gibt bestimmte Bedürfnisse von beiden Seiten, die erfordern, dass sie in einigen Punkten zusammenkommen und sich gegenseitig ergänzen.“

Die Zollverein School versucht diese Überlappungen vor allem in den Bereichen Kommunikation, Unternehmenskultur, Strategie und Innovation im Rahmen ihres interdisziplinären Studienangebots zu gestalten und weiter zu entwickeln.

Spannend war es auch die Initiierung, Entwicklung und Implementierung des Bauvorhabens der Zollverein School mitzuverfolgen: die Ausschreibung, das Konzept eines „White Cube“ von den japanischen Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa, das sich schließlich durchgesetzt hat, seine Entwicklungsstufen, sowohl äußerlich als auch in der Raumanordnung im Inneren, und die endgültige Umsetzung.

„Insbesondere das Projekt Zollverein hat mir eine interessante Einsicht vermittelt, wie man sich einem Thema nähern kann. Es hätte ja auch in einer Traditionspflege enden können. Damit wurde mir aber auch klar, dass neue Ideen ihren Preis haben können und ich mich an verschiedenen Stellen auch bereit erklären muss, ihn zu bezahlen.“

Nachmittags lernten wir dann den Architekten u. Industriedesigner Dr. Jons Messedat kennen. Bei seinem Vortrag ging es um die Bedeutung der Architektur für Unternehmen. Corporate Architecture – „als strategisches Instrument zur Gestaltung von Gebäuden, Räumen u. temporären Präsentationen, mit dem Ziel, die Identität von Institutionen, Unternehmen u. Marken dreidimensional zu kommunizieren“, kurz welchen Mehrwert Architektur für ein Unternehmen schaffen kann. Wir erfuhren anhand konkreter Beispiele, dass sich die Beziehung zwischen Wirtschaft und Architektur im Laufe der Zeit stetig gewandelt hat. Es war indes eine wechselseitige Beziehung, d.h. einerseits beeinflussten die Ein- und Vorstellungen der Wirtschaft bzw. die wirtschaftliche Realität die Architektur, andererseits war auch die Architektur ein Innovationselement, das neue Strömungen, neue Sichtweisen auf die gesellschaftliche Rolle der Unternehmen, widerspiegelte.

Abends wurden wir zur Bilfinger Berger AG eingeladen, einem ortsansässigen, international tätigen Baukonzern. Bei der Unternehmenspräsentation von Herrn Dr. Jürgen Schneider, dem Finanzvorstand der Bilfinger Berger AG, der auch Mitglied im Kulturkreis des BDI ist, erfuhren wir von den weltweiten baulichen Großprojekten dieses Unternehmens. Aber trotz dem willkommenen Empfang und der großen Gastfreundschaft rief diese Begegnung bei vielen von uns unerwartete Irritationen hervor.
„Aber an dem Abend sind wir auf einen anderen Teil der Realität gestoßen, nämlich dass es nicht nur solche Menschen gibt, die die Zusammenarbeit zwischen Kunst und Wirtschaft unheimlich wichtig finden. Es gibt auch solche, die gar nichts mit diesem Thema anfangen können, aber deswegen nicht weniger erfolgreich sind.“

Inzwischen hegen wir jedoch den Verdacht, dass unsere eigene Begeisterung bei Herrn Schneider ebenfalls Irritationen und möglicherweise eine gewisse Faszination hervorrief.
„Vielleicht spürt er, dass Kunst/Kultur eine Quelle der Energie ist. Kann es sich allein deshalb lohnen, Kultur zu fördern, weil es Quelle der Anregung für andere sein kann, was sich wiederum irgendwie auf sein Unternehmen, seine Umwelt auswirkt?“
Am Sonntag schließlich brachte uns Jean Heemskerk noch mal die praktische Architektur näher. Zum Einen hatten wir alle großen Spaß an einem Rollenspiel, das Jean initiierte. Es ging dabei um eine Art fiktives Planspiel, bei dem das Areal der alten Eishalle in der Nähe der Universität Mannheim zur Umgestaltung freigegeben worden war und nun zur Disposition und Neubestimmung stand.

Um ein Stück weit das Spannungsfeld, in dem ein Architekt steht, erfassen zu können, teilten wir uns in vier Interessengruppen mit völlig unterschiedlichen Zielsetzungen auf – die Investoren, die Nutzer, hier die Universität Mannheim, die Behörden, hier das Stadtplanungsamt und schließlich die Anwohner. Nachdem jede Gruppe sich ihr Rollenverständnis erarbeitet hatte, ging die Diskussion los, die nicht nur manches Mal unwillkürliche allgemeine Lachanfälle hervorrief, sondern auch das hohe Kollisionspotential zwischen den einzelnen Gruppen verdeutlichte und die nicht leicht zu lösende Aufgabe eines Architekten aufzeigte – „das Zusammenführen aller (äußeren) Forderungen zu einer ästhetischen Gesamtlösung.“

„Architektur hat ähnliche Probleme wie Ökonomie - jeder kann oder will zumindest mitreden. Diese Lehre werde ich, sollte ich jemals in eine solche Entscheidungslage kommen, beherzigen wollen und mich offener für architektonische Lösungen zeigen.“

Schließlich durften wir selber, zuerst in Einzelarbeit, dann in Gruppen, auf Transparentpapier einen Entwurf unserer eigenen Ideen, wie man das Areal neben der Universität nutzen und gestalten könnte, ausarbeiten und anschließend den anderen vorstellen. Es war spannend zu sehen, dass, obwohl es sich ja hierbei nur um das spielerische Ausprobieren von einer für uns bisher fremden Gestaltungsform handelte, ganz unterschiedliche, kreative Konzepte zum Vorschein kamen.

Es war schön sich auf diesen Bereich – die Architektur – sowohl in theoretischer, anschaulicher, als auch in praktischer, konstruktiver Weise einlassen zu können. Das Wochenende machte uns räumlich, architektonisch feinfühliger und scharfsinniger, im Sinne von einem geschärfteren Wahrnehmen und Verstehen. Schließlich werden wir andauernd von Architektur umringt, auch von unfreiwilliger, unintendierter Architektur. Die Begegnungen mit Architekturschaffenden und –denkern bewirkte neues Sehen, einen neuen Blick auf unsere Umgebung, unseren Einfluss auf dieselbe und ihre nicht zu unterschätzenden Rückwirkungen auf den Menschen.

 

 

 
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Begründete Netze: Sozialkultur - Wie treffen sich Kultur, Soziales, Spirituelles, Unternehmerisches? 

Frankfurt: Freitag, den 10. März 2006
Ein windiger Spätnachmittag inmitten von Frankfurts Wolkenkratzern bildet den Auftakt unseres Wochenendes. Vor dem Eingang der Europäischen Zentralbank (EZB) stehend, trennen uns nur ein paar Schritte vom Europäischen Ausland. „Im edlen Sitzungszimmer mit Blick gen Osten, gemütlich im Ledersitz platziert,
Kaffee und Kekse vor mir sehe ich Dr. Grisse eintreten. Ein älterer, ergrauter Mann.
Das ist also der Generaldirektor der EZB.“

Er begrüßt uns und liefert uns mit einem Überblick über seine Vita den Einstieg für unser Thema: Management und Spiritualität. Ungewöhnliche Mischung? Ja, das dachten wir eingangs auch. Was uns dann erwartet, lässt sich als Geschichte einer persönlichen „Einkehr“ lesen. Wie er den Weg zur spirituellen Seite des wirtschaftlichen und seines ganz persönlichen Lebens entdeckt hat. In einer bescheiden wirkenden Art spricht er über die Notwendigkeit, bewusst mit sich und seiner Umwelt umzugehen. Ein Statement, das im Herzen einer Finanzmetropole überrascht und zum Nachdenken anregt. Inspiriert machen wir uns zu unserem nächsten Gastgeber’ auf. Prof. Tobias Rehberger erwartet uns im mittlerweile bunt erleuchteten Frankfurter
Rotlichtmilieu, wo er einen – für unsere Augen und Ohren – unorthodoxen Künstlerbetrieb leitet. Der Einblick, den er uns in seine Denk- und Arbeitsweise gibt, vermittelt den Eindruck eines bodenständigen Künstlers und Geschäftsmannes. Spannend für uns auch sein Verständnis von Kunst: was sie kann, was sie soll.


„Kunst muss fremd, muss Entdeckung sein.“


Und: ohne ‚Vorarbeit’, kein Kunstverständnis. Je mehr Input, desto mehr Output. Das macht uns neugierig auf eines seiner Werke, die Innengestaltung der Bergerkirche in Düsseldorf. Als letztes ‚Event’ eines ereignisreichen Nachmittags erwartet uns Gerald Hintze im „Diakoniezentrum WESER5“. In der Weißfrauenkirche, Ecke utleutstraße/ Weserstraße, empfängt er uns mit einer einladenden Tafel unter einem baldachinartigen Tuch. Prof. Dr. Jean-Christophe Ammann, ein renommierter Kunstvermittler und langjähriger Museumsdirektor des Museums für Moderne Kunst Frankfurt inspiriert uns im Verlauf des Abends mit seinem Vortrag über Kreativität und Innovation. Im Anschluss erläutert uns Herr Hintze Aufgabengebiet und Wirkungsweise des ambitionierten WESER5 – Projekts, das sozial schwache Menschen unterstützt. Beeindruckend! Neben dieser sozialen Seite des Frankfurter Bahnhofsviertels eröffnet uns Architekt Jan Schulz von bb22 dessen bauliche

Gestaltung, die sich der Frage ‚Wie trifft sich Kultur und Soziales?’ widmet. Ein
ungewöhnlichen Bau- und Sozialprojekt, das das Profil des Viertels herausarbeiten, fördern
und bewahren möchte.

Köln: Samstag, 11. März 2006
Am nächsten Morgen bringt uns der ICE nach Köln, wo wir in der ‚Kunst-Station St. Peter’, einem Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik von Prof. Dr. Friedhelm Mennekes erwartet werden. Wir betreten einen Kirchenraum, der uns leer – ohne Bänke – und mit verhängten Bildern empfängt. Seltsames Gefühl. In diesem Ambiente kommen Fragen wie ‚Was ist und kann Kirche? Welche Form hat der Glaube?’ plötzlich ganz nahe. Genau das möchte Pater Menneke erreichen. Durch ‚Wegnehmen’ des Selbstverständlichen die Wahrnehmung schärfen. Eine Ausstellung über ‚Wüstenbilder’ auf der Empore ergänzt dies.
Die imposante Orgel, die Organist Peter Barnes ausschließlich für zeitgenössische Musik spielt, erfüllt am Nachmittag den Raum. Eine Kirche als Klangkörper, als Ort des Experimentierens. So, hatten wir das bislang gar nicht gesehen.

Am Abend begrüßen uns Kunstsammler Dr. Andreas Holescher und Dr. Jürgen Zech, Vorstand des Kulturkreises des BDI, in Dr. Holeschers Privatwohnung. In dieser Wohnung wurde fast jeder Zentimeter – Boden oder Wand – entweder für Kinderspielsachen oder für Kunst genutzt. Unglaublich, wie sich Sammelleidenschaft und Familienleben verbinden.

Düsseldorf: Sonntag, 12. März 2006
Am Sonntagmorgen werden wir in Düsseldorf von Pfarrer Thorsten Nolting am Bahnhof in Empfang genommen, der uns in ein Backsteingebäude in der Altstadt führt: die Bergerkirche. Der eigentliche Clou erwartet uns im Innern. Ein (hell-) grüner Raum mit einem – sprichwörtlichen – erleuchteten Altar. Prof. Rehberger hat den Altar mit zwei anderen Kirchen übers Internet verschaltet. Wenn sich in deren ‚heiligen Hallen’ was tut, dann verändert sich die Helligkeit des Altars. Pfarrer Nolting will – ähnlich wie Pater Menneke – neue Wege für die Kirche finden und gehen. Sie wieder zu einem Ort der Begegnung machen. Dabei greift er auf die ‚Magie der Kunst’ zurück.

Am Nachmittag führt uns unser Weg in die Flure eines sehr modernen und freundlichen Seniorenheims der Diakonie. Hier zeigt sich die funktionale Seite der Kunst im Alltag. Bilder, als Anker der Erinnerung für ältere Menschen. In einem Wohnheim für wohnungslose junge Männer treffen wir den Kunstschaffenden
Jörg Paul Janka, der eine ‚Reportage’ der besonderen Art gedreht hat. Im Gespräch hat er die Lebensrealitäten der Bewohner erforscht und diese sicht- und (be-)greifbar gemacht. Den Abschluss dieses ereignisreichen Wochenendes bildet das Gespräch mit Dr. Roland Schulz, dem ehemaligen Personaldirektor der Henkel KGaA. Er spricht mit uns über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und die zentrale Rolle, die Führungskräften in diesem Zusammenhang zukommt.

Resümierend haben wir an diesem Wochenende viel gesehen und erlebt, interessante Menschen und Projekte kennen gelernt und reisen nachdenklicher als sonst zurück. Alles andere wäre auch verwunderlich.

 

Erfahrungsberichte zum Wochenende Medienkunst/Film

von Christoph Schwerdtle:

Von Zombies und viel, viel Geld …

 

Karlsruhe, eine idyllische Stadt in Baden. Ein Winterwochenende mit Regen. Eine nicht alltägliche, nachhaltig beeindruckende Begegnung!

Nach einem sehr interessanten und geselligen Einführungswochenende im Kloster Bronnbach stand Anfang Dezember der zweite große Programmpunkt für die Bronnbacher Stipendiaten des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft im BDI e.V. an:
ein Wochenende in Karlsruhe, das durch ein gegenseitiges Kennenlernen von Studenten der  Hochschule für Gestaltung (HfG) und der Universität Mannheim geprägt sein sollte.

Mäßiges Wetter in Karlsruhe, die kühle Atmosphäre der alten Munitionsfabrik, ein kahler Raum mit Stuhlkreis und pinken Katalogen in der Mitte, Neonlicht, gepaart mit leider nur einer handvoll Kunststudenten, das erwartete uns auf den ersten Blick.

Aber da war noch etwas.

Freude, die anderen Bronnbacher wieder zu treffen, hoffnungsvolle Erwartung, neuen interessanten Kommilitonen zu begegnen, Erleichterung für ein Wochenende dem Stress von Examens-vorbereitung, Diplom- oder Seminararbeit, Wirtschaftsprüfung, Controlling oder Marketing zu entkommen. Kurzum: gemischte Gefühle!“

Zur Chronologie:
Wir begannen das Wochenende mit einer Vorstellungs- und Diskussionsrunde. Zum großen Bedauern der Bronnbacher waren lediglich 4 (1/2) HfGler zu unserer Begrüßung erschienen. Das hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt.
Im gegenseitigen Dialog erörterten wir unter der Leitung von Konstantin Adamopoulos und Mischa Kuball Fragestellungen, die sich in drei Gruppen gliedern lassen:

 1. Möglichkeit der Machtausübung/Einflussnahme, des "Etwas-bewegen-können" als Anreiz für das jeweilige Studium und somit eine gewisse Gemeinsamkeit.

2. Aufgabenfelder des Künstlers und des Unternehmers/Managers

 3. Zukunftsaussichten und der Umgang mit der (Nicht-)Vorbereitung der Medienkunsstudenten auf die Zeit "nach der HfG"

Nach interessanter Diskussion kam Andreas Grosz in unsere Runde. Anhand des Beispiels Sony gingen wir gezielt auf ein Gebiet ein, das ein Kernstück des Bronnbacher Stipendiums darstellt: Wie hängen Wirtschaft und Kunst zusammen und wie können wir, die „Führungskräfte von morgen“ diese Kombination in beidseitigem Einverständnis nutzen?

„Interessant war der Gegensatz der Rede- und Argumentationsweise mit Herrn Grosz und der vorherigen Diskussion mit den HfG-Studenten.
Mein persönlicher Eindruck war, dass die Uhr auf einmal anfing schneller zu ticken. Es ist schwer zu erklären, aber ich glaube, die meisten Bronnbacher werden das verstehen bzw. auch so empfunden haben. Es kam Bewegung in die Atmosphäre. Hier konnte man vertraute Denkmechanismen mit neuen Rädchen und Schrauben weiterentwickeln. Man hatte einen konkreten Ausgangspunkt, den man oft eingenommen hatte und den man nun begierig nach Neuem verlassen konnte.“

 Nachmittags stand ein Besuch beim Badischen Kunstverein und dessen Geschäftsführerin Frau Stepken auf dem Programm. Die Ausstellungsreihe „Kritische Gesellschaften“ und die Institution Kunstverein bildeten den Schwerpunkt der Diskussion.

Nach Besichtigung des Platzes der Grundrechte ging es zurück in die HfG, wo die Studenten der HfG ihre Studienarbeiten vorstellten. Dabei wurden beide Seiten wohl sehr positiv überrascht: die Bronnbacher, weil sie auf eine Reise durch verschiedene Medien und Emotionen geschickt wurden und die HfGler, da sie ein sehr ehrliches und emotionales Feedback auf ihre Arbeiten bekamen von einer Gruppe, die sich sonst vielleicht nicht alltäglich zu ihren Werken äußert.

„Es sind die kleinen Dinge die mir seit KA eine Freude im Alltag bereiten. Wann immer ich in Mannheim Tauben sehe oder im manager magazin die Mimik und Gestik von Managern betrachte, werde ich wieder an die Arbeiten von Mathias und Uli und das Wochenende in Karlsruhe erinnert. Die Werke haben also nachhaltig Eindruck hinterlassen – gibt es ein schöneres Kompliment für einen Künstler!?“

Eine kleine Gruppe von Bronnbachern blieb auch über Nacht in Karlsruhe und erlebte mit den Medienkunststudenten einen schönen Tagesausklang mit aufschlussreichen und kontroversen Diskussionen.

„Als wir nachts um 3 zusammen saßen hatte ich das erste mal das Gefühl, dass ich den HfGlern auch etwas zurückgeben konnte. Den ganzen Tag hatte ich immer nur konsumiert und konnte irgendwie nichts zurückgeben. Aber als wir auf das Thema Rechtsformwahl für eine Veranstaltungsreihe zu sprechen kamen, die einige HfGler planen, da war mein sprödes BWL-Studium doch noch zu etwas nutze. Meiner Meinung nach gab es für einen beidseitigen Austausch viel zu wenig Gelegenheit. Man kann nämlich viel mehr von uns lernen und bekommen als irgendwelche zukünftigen Fördergelder!“

Am Sonntag wurde die Ausstellung „Lichtkunst mit Kunstlicht“ am ZKM besucht. Anhand einer sehr interessanten Führung wurden die Studenten der beiden Hochschulen durch die verschiedenen Epochen der Lichtkunst geleitet.

Zum Abschluss des eindrucksvollen Wochenendes wurde über  eine potentielle weiterführende Zusammenarbeit der beiden Studentengruppen diskutiert.

„Abschließend lässt sich sagen, dass die Medienkunststudenten nicht alle durchgängig so offen uns gegenüber waren, wie wir es uns erhofft hatten. Schließlich sind doch die typischen Vorurteile: Kunststudenten müssten offen sein, weil sie ja schließlich für ihre Arbeiten aus ihren Wahrnehmungen und Erfahrungen mit der Welt schöpfen, und Wirtschaftler hätten nur Geld im Kopf und wären deshalb geistig eingeschränkt.“