Archiv des 1. Jahrgangs (2004/ 2005)


Erfahrungsbericht Simone Hampe Stipendiatin 2004/ 2005

Bisher war jedes Wochenende eine einzigartige Erfahrung. Besonders die lebhaften Diskussionen mit den Künstlern haben mir viel Spaß gemacht und mir neue Perspektiven und Sichtweisen eröffnet. Zudem weckten die Gespräche mit den Künstlern die "Lust" sich über das Stipendium hinaus mit Kunst und dem Thema Kreativität zu beschäftigen.
Mich persönlich hat bisher vor allem das "Filmwochenende" beeindruckt, da ich bei diesem Thema sehr viel Neues erfahren konnte.
Im Januar 2005 lernten wir in einem sehr interessanten Gespräch mit Dr. Michael Koetz (Leiter des Filmfestivals Mannheim/Heidelberg) verschiedene Filmtechniken kennen, indem wir uns diverse Filmausschnitte als Beispiel anschauten und diese im Anschluss diskutierten. Außerdem sahen wir Filme wie " Black-Box BRD", den wir anschließend mit dem Regisseur Andres Veiel besprachen.
Spannende Einblicke gewannen wir auch zum Thema Bildende Kunst in Mannheim und Frankfurt a. M. Bestandteil war hier zum einen eine Führung durch die Kunsthalle Mannheim mit dem Direktor Dr. Rudolf Lauter. Zum anderen gab es eine Diskussionsrunde mit Professoren der HfG Offenbach sowie Gespräche mit einem Vertreter der Jürgen Ponto-Stiftung und einer jungen Galeristin über die Möglichkeiten, wie man Kunst vermitteln kann. Die Brücke wischen Kunst und Kommerz wurde durch die Gespräche mit einem Frankfurter Sammler geschlagen.
Bisher sind meine Erwartungen an das Bronnbacher Stipendium voll erfüllt worden. Ich hatte mir erhofft , gewisse , kreative Problemlösungsprozesse bei verschiedenen Künstlern kennen zu lernen. Die Gespräche mit den Künstlern, von denen jeder auf seine Weise an das Thema "Kunst" herantritt, haben mir genau die Denkanstöße gegeben, die ich mir erhofft hatte. Zudem sorgten die oft kontroversen Diskussionen auch noch innerhalb der Stipendiatengruppe für neuen Gesprächsstoff.
Ich freue mich besonders auf das nun bevorstehende Musikwochenende in Berlin, da wir die einzigartige Gelegenheit haben werden Sir Simon Rattle persönlich kennen zu lernen.
Ich kann das Stipendium an alle weiterempfehlen (Studenten sowie Absolventen), die ein Interesse für Kunst mitbringen


Erfahrungsbericht Max Kretzer Stipendiat 2004/ 2005

Von meinem ersten Schultag bis zum heutigen Tag, ganze 18 Jahre, hat sich in mir ein bestimmtes Gefühl gefestigt.  Auf unserem Bildungsweg müssen wir sehr viele wichtige Entscheidungen treffen. Dies beginnt mit der Entscheidung, mit welchem Alter wir eingeschult werden. Zugegeben, werden uns die ersten wichtigen Entscheidungen von unseren Eltern abgenommen. Aber die darauf folgenden Entscheidungen müssen wir selbst treffen. Diese gehen von der Wahl einer geeigneten weiterführenden Schule über die
Auswahl eines Studienganges an einer bestimmten Universität bis hin zu der Konzentration auf wenige Kernfächer. Daran wird deutlich, dass wir im Laufe unseres Werdeganges in einen scheinbar unsichtbaren Sog der Spezialisierung gezogen werden. Die Denkstrukturen, die wir uns hart erarbeitet haben, zementieren unseren Mitleid erregenden Rest an Kreativität. Dieses beklemmende Gefühl der Enge ließ mich nach jedem seidenen Faden greifen und sei er auch noch so dünn. Das Bronnbacher Stipendium war auch ein solch  seidener Faden. Doch erwies sich dieser seidene Faden  als äußerst robust. Bereits das Einführungswochenende, das uns einen ersten Eindruck davon gab, was uns erwarten wird, war sehr vielversprechend und bereitete Appetit auf mehr. In den darauf folgenden Veranstaltungen beschäftigten wir uns mit verschiedenen Kunstgattungen. Nun würde
jeder Leser erwarten, dass ich auf die Inhalte der einzelnen Veranstaltungen eingehe und ihnen das Prädikat "Gut" oder "Schlecht" aufdrücke. Da ich jedoch der festen Auffassung bin, dass dies jeder für sich allein herausfinden muss, werde ich das nicht tun. Dafür werde ich jedoch versuchen zu beschreiben, was sich in mir durch das Bronnbacher Stipendium bisher verändert hat. Die gezielte Auswahl interessanter Diskussionsteilnehmer und die zumeist provokanten Fragestellungen führten immer zu einem lebhaften Meinungsaustausch. Durch diese Diskussionen, die an auserwählten Orten stattfanden, fingen die ersten
Zementschichten an zu bröckeln.  Besondere Erwähnung verdient das begleitende Studienprojekt, da es den Stipendiaten ermöglicht, unter professioneller Betreuung gestalterisch an einem interessanten Projekt zu arbeiten.  Abschließend möchte ich die Gelegenheit nutzen, um ein weit verbreitetes Missverständnis auszuräumen. Das Bronnbacher Stipendium ist keineswegs mit
"Nachhilfe in Kulturwissenschaften" gleichzusetzen. Das ist auch die einzige Aussage, die man über das Bronnbacher Stipendium machen kann. Da die Stipendiaten mit dem Bronnbacher Stipendium sehr unterschiedlichen Ziele verfolgen, lässt sich keine
allgemein gültige Antwort auf die Frage "Was ist das Bronnbacher Stipendium?" geben. Deshalb muss sich  jeder Stipendiat selbst fragen, ob das Bronnbacher Stipendium in ihm etwas bewegt hat. Das kann ich bejahen!

 

Erfahrungsbericht Steffen Salden Stipendiat 2004/ 2005

Bronnbacher Stipendium - das große Unbekannte:

Das Bronnbacher Stipendium ist besonders - weil es nicht vergleichbar ist mit anderen Stipendien. Es ist kein finanzielles Stipendium, sondern vielmehr eine Möglichkeit. Sie zu nutzen liegt in den Händen der Stipendiaten. Besonders auch: die einzelnen Wochenend- und Abendveranstaltungen. Dabei ermöglichen die Künstler und Kulturschaffenden uns Stipendiaten intensive Einblicke in ihre Themengebiete und Arbeitsweisen, geben Denkanstöße und zeigen Perspektiven auf. Die Stimmung ist eine Mischung aus Faszination, Begeisterung und Neugierde. Nach den ersten Veranstaltungen hat auch die Gruppe zueinander gefunden: eine gute Mischung. Bisher herausragend: das Einführungswochenende im Kloster Bronnbach, der Kongress des AKS Kultursponsoring in Berlin, das Theaterwochenende. Nächste Station: Berlin, das Education-Projekt der Philharmoniker unter der Leitung von Sir Simon Rattle (-> Filmtipp: "Rhythm is it!").

Da war doch noch etwas:

Genau, das Studienprojekt! Diesen Punkt sollte man nicht unterschätzen, macht er doch mehr Spaß, aber auch mehr Arbeit als erwartet. Hier ist Initiative und Eigenleistung gefordert. Man motiviert sich gegenseitig. Ende Januar 2005, Filmwochenende in Edenkoben: Die Projektgruppe "eco:art" hat bereits ihr Konzept ausgearbeitet: Ein Austausch von renommierten Künstlern und Entscheidern der Wirtschaft auf höchster Ebene. Die dazu gehörige Homepage www.wirtschaftsdesign.com geht online. So etwas spornt an. Wenig später ist auch unser Projekt "Kulturkreise: Schrift lernen - Gedanken verstehen" auf dem Weg, die Internetseite www.kulturkreise.org ins Leben gerufen.

Ganz oder gar nicht…

Wer sich auf das Bronnbacher Stipendium einlässt, sollte es richtig tun oder lieber ganz sein lassen. Die sieben Wochenend - und Abendveranstaltungen sind mehr als nur 21 Tage. Arbeitszeit für Studienprojekt außen vor. Ob es das wert ist? Wer nur einen weiteren Punkt für das unzählige außeruniversitäre Engagement sucht, sollte sich anderweitig umsehen! Wer jedoch neben Offenheit und Einsatzbereitschaft noch Interesse und Neugier mitbringt, dem wird das Bronnbacher Stipendium eine unbezahlbare Erfahrung sein.